Artikelformat

Der gemeine Saarländer

Man hat es schon schwer als Saarländer. Gut, jenes Gerücht, daß jeder an der Saar Lebende bei Reisen ins Reich eine erkennungsdienstliche Markierung tra­gen müsse (in Form eines Aufnähers: rotbrauner Lyonerringel auf gelbem Bier­humpen), jenes Gerücht hat sich als falsch erwiesen. Eine solche Markierung wäre allerdings auch wirklich unsinnig gewesen, da ein Saarländer sowieso frü­her oder später als solcher auffällt, wenn er einmal im Norden – also zwischen Flensburg und Trier – zu tun hat.

So suchte ich einmal vor Jahren – nach einem Italienurlaub gerade wieder im Reich angekommen – mit Heimweh und Hunger im Magen die erste Frittenbude nach der Grenze auf, schob mich durch die Kauenden, die – wohl von gleichen Gefühlen überwältigt – dort gestrandet waren (wie einträglich muß eine solche Bude direkt hinter der Grenze sein, wenn es die erste ist), und verlangte arglos eine Rostwurst (gesprochen Roschdwurschd). Schon wich alles zur Seite, starrte mich an & ich war als Saarländer enttarnt.

Ein anderes Mal stand ich an einem großen deutschen Bahnhof vor dem Ab­fahrtsplan und wollte mir die Zugzeiten notieren. Kein Stift war zur Hand, also wandte ich mich an einen Umstehenden:
„Entschuldigen Sie, könnte ich bitte kurz Ihren Dauer­schreiber benutzen?“
„Ah, Sie sind wohl aus dem Saarland?!“
Trotz einwandfreiem Hochdeutschs war ich wieder enttarnt, war gescheitert an typisch saarländischen Ausdrücken. Ich wußte damals eben noch nicht, daß eine Rostwurst im Reich Grillwurst oder Bratwurst heißt und ein Dauerschreiber eben Ku­gelschrei­ber (wobei diese Begriffe bei der großen Ausreisewelle junger Saarlän­der – die aber früher oder später bekanntlich wieder „Hemmkommen“ – nun wohl auch im Rest Deutschlands verbreiteter sind).

So begegne ich auch immer seltener – aber doch oft genug – den verdutzten Ge­sichtern von anderen Deutschen, die, wenn sie feststellen, daß ich Saarländer bin, perplex rufen: „Aber Sie können ja Deutsch sprechen!“ Und die die Welt nicht mehr verstehen, wenn sie erfahren, daß ich des Französischen nur wenig mäch­tig bin.

Soweit mein kleiner Exkurs über den Saarländer und vor allem über ihn und seine nichtsaarländischen Landesnachbarn, denn zum Leben an der Saar gehört eben auch das Leben mit denen, denen wir begegnen, wenn wir die Saar mal kurz verlas­sen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.